Kindeswohlgefährdung, Vernachlässigung, häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch verstecken sich vor den Augen der Öffentlichkeit. Das Dunkelfeld ist hoch. Untersuchungen gehen davon aus, dass 15% aller Kinder Gewalt, Sucht, Abhängigkeit, sexuelle Übergriffe in ihrem Umfeld miterleben. 7% aller Kinder und Jugendlichen erleben mittelgradige körperliche oder sexualisiert Gewalt am eigenen Leib. Dies hat dramatische Auswirkungen auf das weitere Leben der Betroffenen. Studien belegen, dass nicht nur Angststörungen, Depressionen, Suizidversuche und selbstverletzendes Verhalten bis zu zehnmal häufiger vorkommen, als in der Normalbevölkerung. Auch notfallmedizinisch kommt es bis zu 8-mal häufiger zu Schlaganfällen, Herzinfarkten und Atemwegserkrankungen im Erwachsenenalter. Auch bösartige Tumorerkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes mellitus sind signifikant häufiger bei Menschen, die in der Kindheit und Jugend Opfer waren. Die Lebenserwartung ist insgesamt deutlich reduziert.
Rettungsdienstpersonal kommt unverhofft in Stresssituationen in häusliche Umfelder, so dass Verschleierungsversuche der betreuenden Personen fehlschlagen. Meist unter Vorgabe falscher Unfallhergänge kommen Kinder in Notaufnahmen und werden von Ärzten und Pflegekräften gesehen. In diesen Situationen ein geschultes Auge zu haben, Verdachtsfälle zu erkennen und sachgerecht mit der Situation umzugehen, war das Ziel der Veranstaltung.
Frau Dr. Johanna Görg vom Rechtsmedizinischen Institut der Universitätsmedizin Mainz referierte über typische Verletzungszeichen und Muster in Abgrenzung zu häufigen, „normalen“ Unfallfolgen bei Kindern und Jugendlichen.
Das Spannungsfeld zwischen ärztlicher Schweigepflicht und der Verpflichtung zur offiziellen Meldung von Verdachtsfällen beleuchtete Frau Dr. Anne Herrmann, stellvertretende leitende Oberstaatsanwältin an der Staatsanwaltschaft Landau. Sie ermutigte, bei gewissenhaft geprüften und erhobenen Befunden, Eltern mit den Jugendämtern in Kontakt zu bringen. Hierbei steht primär das Hilfsangebot für die häufig überforderten Betreuenden vor der Anwendung von Zwangsmaßnahmen, wie auch die Jugendämter berichteten.
Ein pragmatisches Vorgehen für den Rettungsdienst, der auf Missstände aufmerksam wird, hat Frau Joanna Geib vom Vorbeugenden Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr in der Hauptstadt etabliert. Dabei arbeiten Rettungsdienst und Medizinische Kinderschutzhotline eng zusammen.
Frau Dr. Sieglinde Ahne, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Freiburg stellte die Medizinische Kinderschutzhotline vor. Die Hotline ist rund um die Uhr telefonisch erreichbar und berät medizinisches Fachpersonal, also auch Notaufnahmeärzte und Rettungsdienstmitarbeiter. Neben weitreichenderer Begleitung von Einrichtungen und Behörden berät sie, ob eine Akutsituation ein Fall von Kindeswohlgefährdung sein könnte und wie - abgestuft nach Dringlichkeit - das weitere Vorgehen sein sollte.
Abschließend stellte Frau Michaela Roth vom Vinzentius Krankenhaus Landau die Kinderschutzgruppe der Klinik und deren Abläufe vor. Sie wird involviert, wenn Verdachtsfälle in der Klinik erkannt werden.
Frau Nina Keßler, Leiterin der Abteilung Jugend und Familie der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße und Herr Markus Boos Abteilungsleiter Soziale Dienst der Stadt Landau stellten die Arbeit des Kreis- und Stadtjugendamtes vor. Dabei war beiden wichtig, dass die Behörde nach strukturierten Abläufen jeden Verdachtsfall ermittelt und dass - wenn immer möglich -Hilfsangebote an die zumeist aus Überforderung handelnden Eltern und Betreuer gemacht werden. Nur bei Gefahr im Verzuge und mangelnder Kooperation wird das Familiengericht eingeschaltet und Kinder den Eltern entzogen.
„Es war eine gelungene Veranstaltung, die nicht nur auf das Thema aufmerksam machte, sondern den Mitarbeitenden der Notaufnahme und des Rettungsdienstes konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigte.“ so Dr. Matthias Wölfel, ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Vinzentius-Krankenhaus Landau, der zusammen mit Frau Karoline Distler, Mitarbeiterin des Stadtjugendamtes Landau durch die Veranstaltung führten. „Die Resonanz der Teilnehmer war überwältigend positiv.“ So Distler zu den Reaktionen beim abschließenden Erfahrungsaustausch.
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